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Die feine englische Art

Die Scouser leben in Liverpool

Stadtmenschen, Teil eins: Die Scouser

Liverpool

Stadtmenschen, Teil eins

Liverpool ist eine der interessantesten Städte Großbritanniens und hat so ziemlich alles erlebt: bescheidene Anfänge, Aufschwung und gewaltigen Reichtum ab dem 17. Jahrhundert, sogar Weltbedeutung als Handelshafen (leider, man darf es nicht verschweigen, auch für den Sklavenhandel). Später Kriegszerstörung, dann einen beispiellosen kulturellen Schub mit den Beatles und Co., aber auch wirtschaftlichen Niedergang in den unruhigen 1970ern. Heute hat die Stadt viele Gesichter, schön restaurierte Prunkbauten vor allem am Hafen, tolle Museen und Restaurants, aber auch schwierige Ecken.

Ihre Einwohner sind stolz auf ihre Herkunft und tragen gleich zwei Eigennamen: Liverpudlians. Oder Scousers. Während sich der erste Begriff einfach von Liverpool ableitet, ist der zweite schon etwas komplizierterer Natur. Er kommt nämlich von – Labskaus, auf Englisch „labscouse“. Das ist ein offenbar international beliebtes Seemannsgericht, das man auch bei uns, etwa in Hamburg und an der Nordseeküste, serviert bekommt. Es besteht meist aus Kartoffeln und Pökelfleisch, durch den Fleischwolf gedreht und mit roter Bete, Gewürzgurken und gesalzenem oder saurem Hering serviert. Also eine etwas ungewöhnliche Kombi, die nicht jedermanns Sache ist und wahrscheinlich aus Norwegen stammt. Die Breikonsistenz wurde mit Rücksicht auf die Seeleute früherer Zeiten entwickelt, denn die hatten Skorbut und daher wenig Zähne.

Dass die Leute aus Liverpool nach dieser Speise benannt sind, liegt wohl daran, dass früher viele von ihnen Seeleute oder auch Hafenarbeiter waren und reichlich „labscouse“ aßen. Ihr spezieller Dialekt, der ganz typisch ist für Liverpool, heißt „Scouse“. Wenn ein Scouser richtig loslegt, verstehen Außenstehende kein Wort, Ausländer schon gar nicht. Meist klingt der Dialekt aber nur an, was Charme hat und den Vorteil, dass man etwas mitkriegt. Wer mal reinhören möchte, schaut sich ganz frühe Interviews mit den Beatles an; vor allem John Lennon konnte gut Scouse, jedoch verlor sich der Dialekt über die Jahre. Übrigens hat Liverpool heute knapp 500.000 Scouser, sprich Einwohner, zu den Glanzzeiten waren es über 800.000.

Zum Weiterlesen:
Stadtmenschen, Teil zwei: Die Geordies leben in Newcastle upon Tyne
Stadtmenschen, Teil drei: Die Brummies leben in Birmingham

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Leserbriefe (1)

  • Ute Heyen
    am 19.01.2017
    Liverpudlians war mir bekannt aber Scouser? Man lernt immer was dazu

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